Mundart

Mit ein paar halben Zungenschlägen
benetzt du linkisch meine Ohren,
umschmeichelst sie, ein Muschelfänger,
und suchst, Entrundeter, was dir verloren
ging, vielleicht hast du die forschen Laute
ja Richtung Mittelohr verschoben.
Verleckend landet deine Zunge
mit schiefgezognen Liebesworten
in die Auditive
Treffer, ziehst das Netz verlegen fast nach oben.
Und ich - doch halb noch in den Blicken tiefsehfischend -
dialektiert bieg ich dir nun mein O entgegen.

© Laura Beck


Montag, 5. Juli 2010, 14:02 Uhr
Abgelegt unter: Autoren: B, Beck, Laura - H&S
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schnee. gestöber

lauf gegen mauern. brich genick
was vogelhaus: die maßnahme gegen
überdröhnten gesang gestutzte flügel
winterwege dann zur stadt hinaus
eisheilige schritte den berg hinauf
aber das flirren: die pulverschnee
oszillation. geblendet. taub
ihr stummen vögel. nimm augenschein
stocher im nebel. erschütter gehirn

© Klaus Bölling


Montag, 5. Juli 2010, 13:58 Uhr
Abgelegt unter: Autoren: B, Bölling, Klaus - H&S

Hafenkonzert

Wir lagen in der Sommernacht
mit dem Schiff im Hafen.
Sind von irgendwas erwacht
und konnten nicht mehr schlafen.

War es nicht mucksmäuschenstill?
Hat irgenwer da oben
zum Zeichen, dass er Ruhe will,
den Taktstock angehoben?

Ganz leise fing ein Wispern an.
Ein Bläser präludierte.
Ein Zischeln und ein Säuseln dann.
Ein zweiter variierte.

Das Schlagzeug setzte klimpernd ein.
Dann Tockern, Scheppern, Schlappern.
Und im Crescendo obendrein
ein Knallen und ein Klappern.

Die Streicher zierten sich nicht lang.
Sie quietschten, schabten, harzten.
Sie schrappten im Zusammenklang.
Sie scheuerten und knarzten.

Jetzt pfiffen alle Bläser noch
in den höchsten Tönen.
Fortissimo! Aus jedem Loch
ein Heulen, Brausen, Stöhnen!

Kakophonische Verbände!
Akustik wie Silvester!
Entfesselt tobte ohne Ende
das große Windorchester.

In der Klimax plötzlich Aus,
wie auf ein Kommando.
Dann plätschert in die Nacht hinaus
flüsterndes Parlando.

Das Wasser unten im Parkett
begann zufriednes Klatschen.
Wir dankten für das Freibillet
und hörten’s unter unserm Bett
noch lange plitsch- und platschen.

© Peter Borjans-Heuser


Montag, 5. Juli 2010, 13:22 Uhr
Abgelegt unter: Autoren: B, Borjans-Heuser, Peter - H&S

Seestücke
und genauer betrachtet
auch Zungen
zwischen den Schulterblättern
schauen hindurch
bis auf die Knochen
im Röntgenblick
gelebtes Lebeni
m Narbenkostüm

© Eva Boßmann


Montag, 5. Juli 2010, 13:17 Uhr
Abgelegt unter: Autoren: B, Boßmann, Eva - H&S

Großes Kino, Nr. 1

Meine Rolle rückwärts über die Wiesen.
Glänzend gespielt. Auf der Suche nach
einem Titel finde ich Grünstreifen schön.

Ich kaue auf einem Grashalm und rauche
in die Luft. Hier sind die großen Gefühle,
sage ich mir, und beginne, allein zu sein.

Berührung ist das Küssen des Bodens,
wenn ich fremde Felder betrete. Ich
sage mir, dort lassen die Käfer ihr Leben

über Erdreich und Berge kriechen, fliegen,
oder sie bleiben Statisten unter den Steinen.
Ich bin leichtgläubig, wenn andere beten.

Hier ist der Himmel so blau, dass sich
alles drehen könnte in ihm, auch ein Gott,
der vor laufender Kamera mit mir spricht.

© Markus Breidenich


Montag, 5. Juli 2010, 11:58 Uhr
Abgelegt unter: Autoren: B, Breidenich, Markus - H&S
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