Lustgrenze

Ich hatte Kaviar eingeführt.
Das hat sie etwas irritiert.
Dann beim Schlemmen und Schlecken,
Lustvollem Schmatzen und Schmecken,
War es für sie wie ein Erwecken.

Sie reagierte total verrückt.
Es hat sie unheimlich entzückt.
Und danach war sie ganz hin,
meine gestrenge Zollbeamtin.

© Bernd Fengler


Mittwoch, 5. Oktober 2011, 20:40 Uhr
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Wolga

Mitunter ohne Horizont
Meer wie Fluß
ausladende Breite
Inselflecken
von Zeit zu Zeit
frischer Fisch im Kutter
rostiges Metall
Lastschubkähne in Übergröße
waldbestückte Uferhänge
Passagiere
die am nächsten Halteponton
aussteigen
weiß und schnell
Tragflächenboote
irgendwo wird
eine Gans gerupft
für den nächsten Sonntag
Dörfer hier und da
Wiesenweiten
Heuschober

in der Nähe von Kasan

© Marko Ferst


Mittwoch, 5. Oktober 2011, 20:24 Uhr
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salatherzen

im strahl des wassers fließen die gedanken
kindwärts geht die rotgefärbte spur
es dampfte blut und wo jetzt rosen ranken
hing zerteilt die bleiche kreatur

sorgsam wäscht sie pilze petersilien
der schlachterjunge roch nach majoran
und hinterm haus der schwere duft von lilien
mit toten augen sah das tier sie an

sanft entblößt sie jetzt den kopfsalat
sein zartes herz wird sichtbar blatt für blatt
der schlachterbub entzog sich ihren blicken

tomaten und radieschen essig öl
das blut verband sich schließlich mit dem mehl
um unter rühren langsam einzudicken

© Jürgen Flenker


Montag, 3. Oktober 2011, 18:31 Uhr
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An apple a day

Mein Äpfelchen
die Haut so glatt wie
wilde Seide
du lockst mit
Apfelgelb und Apfelrot
es schmeichelt mir
dein kleiner Apfelduft

Ich beiße zu
vergessen ist Schneewittchen
und widerspenstig-samten
schmilzt dein Fleisch
es fließt dein Saft

Und unbeschwert
genieße ich
mein Äpfelchen
du schmeckst
nach Paradies

© Heidrun Flügel


Montag, 3. Oktober 2011, 18:20 Uhr
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Liebe

Tiefgefroren
Stürzt du mich
In den Einkaufswagen
Hinab
Hart komme ich
Auf der Fischkonserve auf
Zu Hause schiebst du mich
Ungeduldig
In den Backofen
Und erwärmst mich
Bei zweihundertzwanzig
Grad
Ich bin noch nicht
Soweit
Doch du
Holst mich
Schon heraus
Und reißt mir
Hastig
Die Folie vom Leib
Ohne mich
Auszukosten
Würgst du mich
Nervös
Und in
Großen Bissen
Die Kehle
Hinunter
Damit ich
Schneller verschwinde
Schüttest du mir
Eilig
Ein Glas Cola
Hinterher
Die Fetzen
Meines Metallkleides
Stopfst du
Achtlos
In den Mülleimer
Ob du
Beim Hinuntertragen
Nochmal
An mich
Denkst

© Evelyn Fomm


Freitag, 30. September 2011, 20:14 Uhr
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