Schlemmen und Schmecken
Schlemmenmich durch Käsesahne
Schmeckenmich durch allerfeinste
Gaumenfreuden höchst apart.
Zungenwühlen
in den kühlen
Weinen froher Lebensart.
Halbverzögert über Gaumen
rieseln götterhafte Speisen
wobei sich die Augen schließen
alle Sinnen fromm beginnen
die Genüsse hoch zu preisen.
Schlemmenmich
durch Tage, Wochen
opulentes mich Bekochen
mühen Küchenmeister sich.
Oh, wie sind die Himmel offen
manchesmal bin ich besoffen
Schlemmgenießen mich entzückt.
Mondeweit die Sause gehet
wie sich alle Speicher füllen
meines lieben Leibes Not zu begegnen.
Doch am Ende bleibt vom Schlemmen
und Genießen
mir der Wunsch nur noch nach
trocken Brot.
© Hildegard Brucker
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Hunger und Durst
Als ich
um Essen bat
hat man mir
Kummerbrot gereicht
Als ich
um Trinken bat
hat man mir
Tränenwein serviert
Als ich
hungerstreikte
hat man mich
perkutan ernährt
© Gerhard Butke
Hunger
dein erster Laut
am Morgen
wenn der Schlaf
aus deinen Augen springt
und du langst gleich
nach der Wurst
gefährlich nahe
deine Zähnchen
meiner Pelle
ich bringe sofort
Brötchen und Eier
die kochen schon
vor deinem Mund
und süßer Sirup
der die Lippen verklebt
© Norbert Büttner
beben
zwei haitianische jungen
fangen einen frosch dessen
klare göttliche anatomie sich im
verseuchten tümpel nicht spiegelt
reißen den dahindämmernden
in stücke um ihren hunger zu
stillen und trinken das wasser des
tümpels aus der schale ihrer hände
sie beben vor lauter freude
choleri
cholera
© Jan Causa
so gelingt’s
links die kapuzinerkresse
rechts ein gänseblümchen
liebesäpfel in limette
seelenspeise jungfräulich
(extra vergine)
sahnehäubchen aufgespritzt
eßorakel liebstdumich
potpourri von junggemüse
mascarpone mandelblättchen
schokonote auf der zunge
kirschenfleisch im roten munde
gehen lassen und sanft kneten
tupfen streicheln walken wenden
kapuzinerkresse rechts
und das gänseblümchen links
so gelingt’s
© Doris Distelmaier-Haas
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