Verkäuferin

Am Ende steht nur sie

am Ende von Wald Stahl
Kraftwerk und Autobahn

vom sauren Regen
und feuerrotem Rhein

steht sie
an der Kasse
und lächelt

beim Verkauf
von Streichkäse und
Büchsenmilch.

© Marcus Schiltenwolf


Montag, 29. August 2011, 19:10 Uhr
Abgelegt unter: S, Schiltenwolf, Marcus - S&S
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Menü für die Tafelrunde - En Surprise

Ein Soufflé Lebensfreude
zwei Fingerspitzen Übermut
drei Sautoirs farcierte Leidenschaft
vier Barquettes voll flambierter Süßholzraspeln
fünf Cocotten Höflichkeit nach Art des Hauses
sechs legierte Prisen unbändiger Spaß über
sieben Schluck genussreicher Einfälle dazu
acht Henkeltassen gefüllter Humor
neun heiße Stimmungsbeigaben - bien cuit - und
zehn duftende Gewürznelken für die Damen.

Als Dessert:
au four -
glacierte
Lust!

© Renate Schön


Sonntag, 28. August 2011, 07:32 Uhr
Abgelegt unter: S, Schön, Renate S&S

Der Eremit

Alles, was er brauche zum Leben
sagte der Einsiedler
finde er hier:
Gemüse im Garten
eine Ziege im Stall
ein paar Hühner
Holz genug für den Winter
und ein Dach auf der Hütte
nicht neu, aber dicht -
vor allem aber den Brunnen
der selbst im trockensten Sommer
nie ganz versiege -
und außerdem keinen, der komme
und seinen Frieden störe.

Alles, was er mir anbot:
Oliven, Käse, Tomaten
ein paar Eier und Brot
und seine bescheidene Weisheit
nahm ich dankbar an -
erst der faulige Geschmack
seines frisch geschöpften Wassers
machte mich stutzig.

© Siegfried Schüller


Sonntag, 28. August 2011, 07:24 Uhr
Abgelegt unter: S, Schüller, Siegfried S&S

Küchentisch mit Rose

Wo sie herkommt, spricht
niemand mehr. Es ist
ein Sekundensplitter, in dem
Großmutter durch den Raum
weht, ein Herzgespräch
zu führen: Unter der grünen
Glaslampe fließt das Licht
in einem Kreis über das Wachstuch,
beugt sich Großvater, ihrer Stimme
folgend, von seinem Schleifpapier
hin zu dem dampfenden Hammel-
braten. Auf der Kinderzunge
zergeht ein Teelöffel voll
süßer Kondensmilch, zähflüssig. Die Zeit
zieht einen kurzen Faden. (So still
war Großmutter nie - ein Hauch
nur im Nacken.) Ihre Hand,
die locker sitzt, fängt zugleich
alle Tropfen und schiebt bedächtig
die letzte Blüte des Jahres
dem Gedächtnis entgegen.

© Christiane Schulz


Samstag, 27. August 2011, 10:06 Uhr
Abgelegt unter: S, Schulz, Christiane - S&S

Auf ein Bratengericht

Freund, du wirst es nicht erraten,
ich lob’ hier den krossen Braten,
mit einer Kruste fest und braun,
ist gar köstlich anzuschau’n.

Dieser Braten, dieser lose,
schmust lüstern mit der Bratensoße,
von Kartoffeln schmuck flankiert,
die man hat dazu drapiert.

Wo andre nur die Auster ehren,
will ich Möhren nur begehren,
die mit Erbsen, kugelrund,
liegen hier im Freundschaftsbund.

So verzehr den Braten ich, den krossen,
nicht geschlemmt, doch sehr genossen.

Drum mein Freund, ich will dir raten,
lang auch zu beim Krustenbraten,
vielleicht entsteht durch dies Gericht
auch noch manches Preisgedicht.

© Jürgen Schwedler


Samstag, 27. August 2011, 10:01 Uhr
Abgelegt unter: S, Schwedler, Jürgen - S&S
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