Menschenkundestunde in der Amselschule
Die Menschen erkennt ihr daran
dass sie nicht fliegen können.
Sie versuchen es indem sie lautstark
mit Schwingen ohne Federn
in der Luft herumwirbeln.
Manche werden dabei richtig zornig
weil ihnen das Fliegen nicht gelingen will,
andere nehmen das locker
und lachen dabei.
Häufig berühren sie einander
kurz an den Flügelenden,
manchmal halten sich zwei
ganz lange daran fest,
besonders dann wenn sie
bei Sonnenschein auf Futtersuche
durch unseren Park schleichen,
wahrscheinlich fürchten sie
unser lautes Zwitschern.
© Josef Hader
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chinesisches bild
zwei boote schaukeln so müde
vor dem steilen ufer. oben
am hang schicken krumme kiefern
einen gruß übers meer. von dort
kehrten die fischer zurück.
in ihren netzen verfangen
die stunden der nacht.
ferner, im westen, ziehen
blasse nebel hoch in die
berge von tung kiang.
(nach einem Farbholzschnitt von Yuang Liang)
© Thomas Hald
Der Kentaur
Ein Schiff rollt über weich gespannte Wogen,
refft ein den Horizont.
In ihm wird jalousienartig aufgezogen
blaugräulich durchgesonnt
der Wolken leicht gekrümmter Bogen.
Der Blick verhakt sich der Rotunde
aus Wasser, Wolken, Sand
und in der panisch atmungsfreien Stunde
steigt etwas auf ans Land,
weissagend aus des Wassers schaumbenetztem Munde.
Halb Mensch, halb Tier entsteigt es aus der Gischt
und hingegeben seiner Sternenmelodie,
mit der es zu mir spricht,
heb ich die Hand - und jene Zwie-
gestalt zerfällt in Licht.
© Uta Harst
monochrome gesänge
über uns kälteflüchter jedes jahr
diese wiederkehrende bewegung
v-förmig rauscht gefieder die luft
zergeht ihnen zwischen den flügeln
unter ihren langgezogenen kehllauten
stehen wir flügellos
im nachhall des sommers
© Vera Heimann
Milchglastrübe Sicht
auf die Dinge,
die anders jetzt sind,
als sie waren.
Mit dem Hemdsärmel
aufgeklärt ist
manches nun dennoch
offensichtlich
endgültig
verschieden.
© Eyk Henze
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