sturmtief

lös dich auf und zieh dahin wie sturm
tief  aus kirgisistan reiß alles mit nur
mich lass hier und auch mein jüngstes kind
bekommst du nicht sonst schenk ich dir
den ganzen rest wenn du mich
gehen lässt 

niemals werden diese fronten ganz
geklärt und okklusionsfrei  richtung hoch
druck sich bewegen auf die dauer
wärs auch öde ohne regen
niederschlag ist bockshornklee
für’n tag

wenn schon zwei verschied’ne massen luft
betont aktiv sich nähern müssen sie denn
gleich sich heftig  nieder schlagen
eiskalt quellen schauernd wieder
jetzt in brocken hageln wenn’s
verletzt 

können die berührungsflächen mal
adieu zur kälte sagen und geschlossen
unter warmen wolkendecken
leicht umnebelt sich umarmen
schneeblind schönes wetter machen
wind

 © Franziska Röchter


Donnerstag, 27. November 2008, 09:26 Uhr
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Italien I

am cafétisch 

wir wippen die südliche leichte
mit den fussspitzen
und rühren sonnenlichterfunken
im café

in den strassen der ton der weite
gefasst in schmalheit des auges
bewegungsbunte klingelei
wie sie dahinziehen - in wogenwellenmeeren
doch ungezählte einzelstimmen
von hoffnungen
und vielen menschen-ichs

alltag verbleicht
in kaum erinnerte tage
schnellflügelig flieht er davon
hinter dachdächern
horizontversiegelungen
bürden zerlösen sich
chancenlos

gewichtlose träumereien
tänzeln perlfiguren
mit den sonnenbändern
der wind hofiert die oleanderblüten
erfindet liebes-impromptus

das lehnen am sommersommer
und klingenden
tagen - 

unbeschwertes
das bleibt.

 © Angelika Zöllner

 


Donnerstag, 27. November 2008, 09:03 Uhr
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Licht

Der Nachbar will
die Hecke lichten 

Flieder und Hasel
Buchs und Hollerbusch
unter der Motorsäge.

Wenn doch die Ohren
Klappen hätten 

die sommerkranken Augen
schattiges Blättern
festhalten könnten! 

Ein neuer Morgen aufgeschlagen:
und große Zackenschrift -
noch nie zuvor gelesen -
von fernen Berggedichten.

© Barbara Seeberg 


Donnerstag, 20. November 2008, 12:08 Uhr
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läufer

laufe nur und fang den wind
laufe die weite hinauf
füße nur und gras sie sind
erde und ruhe zugleich

später lag Jan im
stall und schluckte an
den resten der geschwindigkeit

zornig war die luft
und schnitt seine brust

© Holger Winkelmann-Liebert


Dienstag, 18. November 2008, 18:17 Uhr
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Geruch der Erde

Fiel nachts in einen wüsten Traum
umkreiste Sonnen, Monde, rote Sterne
kam ihnen nah - zu nah
dann stürzt’ ich ab.

Als ich vom Himmel auf
den Boden schlug
erwacht ich
vom Geruch der Erde
und meine Füße
fanden wieder Halt.

© Gerhard Stübner


Dienstag, 18. November 2008, 18:16 Uhr
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