Beim ersten Windstoß
stellten sich
ihre Nackenhaare hoch
bloß nicht nachgeben
die Erde ist hart genug
© Karin Alette
Beim ersten Windstoß
stellten sich
ihre Nackenhaare hoch
bloß nicht nachgeben
die Erde ist hart genug
© Karin Alette

erst etwas Klares wie Muscheln am Grund
und die Wellen grünes durchsichtiges Glas
und der Sand weiß Steine wie Lutschbonbons
dann kippt die Sonne weg spielt
die Sterbende keucht mit verdrehten
Farben wie immer perfekt
dramatisch Kameras an
Endorphine zappeln: Ja, Ja!
© Kerstin Becker
köstlich zubereitet liegen die Felder
Krume an Krume
feuchtduftendes Land
die Erde
als wärs
eine Göttin im Hochzeitsgewand
© Angela-Marcella Gerstmeier
ferner donner, wetter
leuchten. auffrischender
wind. der himmel
schwarz und schwärzer.
in hohem bogen
alle vögel fort
geflogen. blitze zucken,
schlagen ein. wolken
brüche, regen
schauer … nicht
von dauer: nach
stunden zwei
ist der spuk
vorbei.
© Thomas Hald
Wofür denn werden wir töten, zweitausend
Jahre nach Christi Geburt? Klimawandel
verbrennt Äcker zu Wüsten, entflammt den
archaischen Kampf um letzte Ressourcen.
Was bewahrt noch den Menschen zu erschlagen
den Bruder am Wasserloch, wenn quälende Dürre
ehemals fruchtbares Land austrocknen lässt,
durstendes Vieh zur leeren Tränke geführt
erschöpft nach Wasser in Todesangst brüllt?
Europa - auslagernd üble Gewalt in fern
gelegene Lager - wen kümmert das Schicksal
von Flüchtenden, die einmal ergriffen in
Wüsten ausgesetzt werden, mit Proviant
zum Leben zu wenig zum Sterben zu viel?
Weit weg von den Grenzen Europas sterben sie
ihren einsamen Tod, von dem niemand erfährt.
Würde des Menschen auch noch im Tod?
Interessiert es schon hier in Europa,
so Flüchtende mit hastig gebauten Leitern
in Grenzzäunen verbluten oder in elenden
Kähnen die Meere querend verdursten? Wie
schnell also verliert der Mensch Grundwerte
seiner Kultur? Katastrophenblind krächzt heiser
der Geier weit entfernt vor den Toren Europas.
© Wolfgang Richter
