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Der crowdgesourcte Autor

Der crowdgesourcte Autor
  • Posted in: Bücher,E-Books,Gedanken,Internet,Marketing
  • on Oktober 8, 2010
  • » Schlagwörter: Bücher, Buchmesse, Digitalisierung, E-Books, Positionierung, Selfpublishing, Trends, Verlage
  • » 2 Comments

Pünktlich zur Buchmesse sieht man sie wieder überall: die Möglichkeiten, online schnell und einfach ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Ob man es nun Selbstverlag, Eigenpublikation oder neuhochdeutsch Selfpublishing[1] nennt, fest steht, dass dieser Bereich schon seit Jahren – etwa von BoD – bedient wird. Das Grundprinzip ist gleich geblieben: Als (angehender) Autor kann man sich für verschiedene Modelle zur Publikation entscheiden, in der Regel ist das Grundpaket kostenlos. Und wie generell im Buchmarkt entstehen mehr und mehr Angebote, Titel auch oder ausschließlich als E-Book zu veröffentlichen (eine aktuelle Übersicht zu den neuen Angeboten der Selfpublishing-Anbieter in Sachen E-Books findet sich bei heise online).

Crowdsourcing im Verlagsbereich

Schreiben und Lesen im stillen Kämmerlein: Das gehört bei vielen Autoren und Lektoren der Vergangenheit an

Eine stärker dem Social Web entsprechende Form der Veröffentlichung bieten (auf digitalen Content fokussierte) Publikationscommunities wie Bookrix, XinXii oder Scribd. Der letzte Streich, der gewissermaßen beide Welten verbindet, ist das Crowdsourcen von Verlagsinhalten: Es basiert auf der simplen Idee, Leser über die Qualität von Manuskripten urteilen zu lassen und die besten Titel als Buch zu veröffentlichen. Das Startup EPIDU macht dieses Konzept schon eine Weile vor, jetzt hat auch Droemer Knaur das Prinzip mit neobooks aufgegriffen und verlagert damit einen Teil der Lektoratsarbeit auf die breite Masse der Internetuser.

Die Mischung aus „Casting” und dem Wissen (oder eher: dem Geschmack) der Vielen, von manchen auch polemisch als „Aal – Andere arbeiten lassen” bezeichnet, wurde bereits in vielen Bereichen, allen voran in visuellen Gestaltungsprozessen, erprobt. Natürlich mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, Fingerspitzengefühl und Qualität der Ergebnisse.

Mit neobooks erhält das Spiel einen zusätzlichen Anreiz, steht hier doch ein namhafter Verlag im Hintergrund, der außerdem den Usern der Plattform die Chance auf eine „vollwertige” Veröffentlichung im Verlagsprogramm in Aussicht stellt. Die Motivation für literarisch Ambitionierte dürfte entsprechend groß sein. Zudem können auch Autoren, die nicht zu den glücklichen Auserwählten gehören, deren Werke zur Prüfung auf dem Tisch des Droemer Knaur-Lektorats landen, ihre Werke über neobooks als E-Book veröffentlichen und vertreiben.

Wie kommt das Buch zum Leser?

Fest steht, dass der Weg zum eigenen Buch dank Internet so einfach wie nie zuvor ist. Offen bleibt die Frage, wie das Buch dann aber an Leser kommt: Manch unbedarfter Autor stellt sich möglicherweise eine wunderbare Leservermehrung vor, sobald der Text erst publiziert ist. Dem ist natürlich nicht so. Die Veröffentlichungscommunities mit Fokus auf soziale Komponenten setzen auf die Etablierung einer Fanbase bereits vor Erscheinen des Buches: Sind andere User an der Entstehung des Buches beteiligt – und sei es nur durch ein Voting –, stellt sich eine gewisse „Loyalität” zum fertigen Produkt ein, die Wahrscheinlichkeit eines Kaufs steigt. Zumindest in der Theorie.

Doch welche Marketingmöglichkeiten bieten die Plattformen ihren Autoren? Und gibt es Leitfäden für die Autoren, wie sie ihr Werk bekannt machen können? Werden die Autoren, abseits von der impliziten Hoffnung auf eine literarische Karriere, betreut und gepflegt?

Epubli, eine weitere Selfpublishing-Plattform, startet nun zumindest ein Netzwerk von Buchprofis, um Autoren mit Dienstleistern rund um das Buch zusammenzubringen, sowohl im Vorfeld der Veröffentlichung in den Bereichen Lektorat und Herstellung als auch nach Erscheinen in den Bereichen Marketing und PR.

Droht ein Autoren-Braindrain?

Quantität vor Qualität oder die Weisheit der Massen? Der direkte Draht zum Leser eröffnet Autoren auf jeden Fall neue Vermarktungschancen

Was aber passiert, wenn bereits etablierte Autoren ihre Koffer packen und mit ihrer vorhandenen Reputation eine Selbstveröffentlichung wagen, also nicht im Vanity Publishing-Bereich, sondern als wohlüberlegte Entscheidung weg von Verlagsstrukturen und hin zum selbstbestimmten Publizieren? Ob nun aus monetären Erwägungen, denn gerade im E-Book-Bereich mehren sich kritische Stimmen von Autoren und Agenten zum Thema Honorare, zuletzt auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt, oder um unabhängig von langfristiger Programm- und Marketingplanung schnell und unkompliziert am Markt auftreten zu können. Droht möglicherweise ein Autoren-Braindrain in den Verlagshäusern?

Gerade Autoren, die sich bereits „einen Namen gemacht“ haben, vielleicht sogar schon vor ihrer Buchveröffentlichung in ihrem (Fach-)Bereich als Experten wahrgenommen wurden, können sich diesen Vorteil insofern zunutze machen, als sie bei Eigenveröffentlichungen eine größere Gewinnspanne erzielen können. Generell scheint der Selfpublishing-Weg für Sach-/Fachbücher zu Nischenthemen (und allen voran mit Bezug zu Webthemen) auch in Hinblick auf Verkaufszahlen ein verhältnismäßig leichter, sofern die Autoren sich in der angesprochenen Zielgruppe bereits etabliert haben. Zwar verzichten sie damit auf das gesammelte Knowhow (etwa im Bereich Lektorat und Herstellung) sowie die Marketing- und Vertriebsstärke eines Verlagshauses, jedoch kann – wer will –zumindest Teile davon auch im Freelancer-Bereich einkaufen oder eben – wer kann – selbst übernehmen. Bleibt also das unternehmerische Risiko, das im Falle der Eigenveröffentlichung der Autor allein trägt, das allerdings bei einer reinen E-Book-Veröffentlichung (etwa über eine der oben genannten Plattformen) von den Produktionskosten her überschaubar ist.

Ein konkreter Fall, der mir in den Sinn kam, war das Buch „Meconomy“ von Markus Albers: Albers hatte zunächst den erfolgreichen Titel „Morgen komme ich später rein“ im Campus Verlag veröffentlicht, sich dann aber für sein zweites Werk bewusst für eine Veröffentlichung auf eigenen Beinen entschieden. Meconomy war zunächst ausschließlich als E-Book verfügbar und über so ziemlich alle E-Book-Vertriebskanäle erhältlich, natürlich auch als iPhone-App, mittlerweile gibt es auch eine Print-on-demand- und sogar eine Hörbuch-Version.

Mir stellt sich bei all diesen Aspekten rund um das Thema Selfpulishing (von denen hier nur einige wenige angeschnitten werden), die Frage, ob von den Verlagen ein Trend zur Abwanderung von Autoren wahrgenommen wird und wenn ja, ob und wie dem mit Autorenpflege entgegen gewirkt wird? Kann man den neobooks-Schachzug von Droemer Knaur als Schritt in Richtung Hege zukünftiger Autoren deuten oder soll letztlich nur die Lektoratsarbeit durch eine öffentliche Vorauswahl der eingereichten Manuskripte erleichtert werden? Fragen, die letztlich auch mit der Selbstwahrnehmung und Positionierung von Verlagen im digitalen Zeitalter zusammenhängen, in dem jeder die Möglichkeit hat, eine mehr oder minder große Öffentlichkeit zu erreichen.


[1] Eine recht umfassende Übersicht zu verschiedenen Anbietern und Formen des Selfpublishings findet man im Selfpublishing Guide des Upload Magazins.
 

Fotos von Dieter Schütz und bluefeeling / beide pixelio.de

Über Sinn, Unsinn und Zukunft des E-Books

  • Posted in: Bücher,Digitalisierung,E-Books,Gedanken
  • on April 20, 2010
  • » Schlagwörter: Digitalisierung, E-Books
  • » No Comments

David Gelernter macht sich in der FAZ Gedanken über den Status quo und die zukünftigen Möglichkeiten und Chancen des E-Books – auch und gerade im Vergleich zum gedruckten Buch. Dabei liegt das gedruckte Buch seiner Meinung nach ganz klar in Sachen Haptik, Ästhetik und „Persönlichkeit” in Führung. Dass das gedruckte Buch dabei auch ein Kommunikationskanal sein kann, ist sicher ein Aspekt, der häufig übersehen wird. Gelernter schreibt dazu:

Aber der wichtigste Vorteil richtiger Bücher besteht darin, dass sie wie Menschen heranwachsen und alt werden. Es ist leicht, ein echtes Buch mit Anmerkungen, Einwänden, Erklärungen oder der Hervorhebung einer zentralen Passage zu versehen. Liest man das Buch dann noch einmal, sind die eigenen Notizen ein Teil von ihm. Unsere Vorstellungen und Anmerkungen ändern sich im Lauf der Zeit, und sie verändern somit auch das Buch. Nach und nach nimmt ein Buch die Persönlichkeit seines Eigentümers an.

Genau dieser kommunikative Aspekt fehlt aber derzeit noch bei den E-Books – obwohl darin sowie in der Anreicherung durch multimediale Inhalte die größte Chance für dieses neue Medium liegt. Gelernter wünscht sich eine Art virtuelles „Logbuch” oder „Buchlog” zu jedem Buch, ob nun gedruckt oder elektronisch: Eine Community, in der die Kommunikation zum Buch gebündelt wird, Zusatzinhalte abrufbar sind und zu der man durch Erwerb des Buches Zugang erhält.

Diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen: Ansätze dazu (wenn auch aus Verlegersicht „wildwüchsig”) findet jeder Interessierte in diversen Buch-Communities wie LovelyBooks. Ein ähnliches Prinzip verfolgt beispielsweise stickybits: Hier wird die digitale Kommunikation über „real world objects” gesammelt. Die technisches Möglichkeiten sind also durchaus schon vorhanden. Fehlen nur noch: Eine sinnvolle Strategie, diese Ansätze weiterzutreiben und zu bündeln, und der Mut, den Weg zu gehen.

Kurzfristiger Hinweis: Webcast “What Publishers Need to Know about Digitization”

  • Posted in: Digitalisierung,E-Books
  • on November 12, 2008
  • » Schlagwörter: Digitalisierung, E-Books
  • » No Comments

Heute Abend um 19.00 Uhr bietet O’Reilly einen kostenlosen Live-Webcast zum Thema “What Publishers Need to Know about Digitization”. Der Webcast wird von Liza Daly gehalten, die als Beraterin und Softwareentwicklerin in Verlagen wie Oxford University Press, Columbia University Press und O’Reilly Media Digitalisierungsprojekte begleitet hat. Der Webcast soll einen Überblick liefern und ist für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse geeignet. Hier kann man sich für die Teilnahme anmelden.

[via <elektrolese>]

E-Book: Trendthema der Buchmesse

  • Posted in: E-Books
  • on Oktober 26, 2008
  • » Schlagwörter: Buchmesse, E-Books, Geschäftsfelder, Trends
  • » No Comments

Leider bin ich auf der Buchmesse nicht in den Genuss gekommen, einen der präsentierten E-Book-Reader in die Hände zu bekommen: Zu groß das Gedränge an den Ständen der Aussteller, bei denen man die Geräte in Augenschein nehmen konnte.

Das Thema E-Book prägte nicht nur die Messe, sondern auch die Medienberichte rund um das Branchenevent. E-Book-Reader sind aber keine neue Erfindung – es bleibt abzuwarten, ob sich der aktuelle Trend zu einem soliden Geschäft mausern wird.

Aufschlussreich dabei eine kleine Befragung des Google Trends-Tool, dass Hinweise zu Suchvolumen sowie Medienberichterstattung zu bestimmten Suchanfragen liefert:

Oben zu sehen das Volumen der Suchanfragen in Deutschland, unten die Anzahl der Erwähnungen in Online-Berichten, die im Google News-Bereich erscheinen. Schön zu erkennen sind die Spitzen im Zuge der Buchmesse-Berichte, die sich mit leichter Verzögerung auch in den Suchanfragen spiegeln. Sicherlich eine Entwicklung, die man im Auge behalten sollte.

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