Durch die im April geänderten Datenschutzbestimmungen ist Facebook mal wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: Der Wandel Facebooks vom geschützten Netzwerk für private Kontakte hin zum öffentlichen Social Stream, der Monetarisierungsdruck und die damit verbundenen Probleme insbesondere bezüglich der Privatsphäre rufen längst nicht nur Datenschutzfanatiker auf den Plan, sondern ziehen auch bei den sogenannten Digital Natives (die sich angeblich wenig um ihre Privatheit sorgen) ihre Kreise. Das zeigen nicht zuletzt die Satements zum Facebook-Dilemma auf jetzt.de.
Martin Weigert hat heute bei netzwertig.com einen Artikel veröffentlicht, in dem er einige Aspekte der grundlegenden Problematik schildert und aufzeigt, was Facebook hätte anders machen müssen. Er unterteilt Facebooks Fehlentscheidungen dabei in funktionelle, strategische und kommunikative Fehler. Bei den funktionellen Fehlern stehen ganz klar die „komplizierten Datenschutzeinstellungen” im Mittelpunkt: Ganz klar, die Datenschutzeinstellungen von Facebook haben es in sich. Aber letztlich bieten sie auch starke Ausdifferenzierungsmöglichkeiten. Die Verantwortung liegt hier beim einzelnen User, der also (durch das standardmäßige Opt-out-Verfahren) eine entsprechende „Mündigkeit” mitbringen muss.
Ich sehe das Problem hier weniger bei der Komplexität der Privatsphären-Einstellungen, sondern eher im mangelnden Bewusstsein der User – und hier kann man Facebook prinzipiell vorwerfen, genau darauf zu setzen und nicht eben zur Aufklärung beizutragen. Als Unternehmen muss Facebook aber natürlich die eigenen Interessen wahren.
Allen, die sich für die Einzelheiten der Privatsphären-Einstellungen bei Facebook interessieren, sei deshalb der Leitfaden von Thomas Hutter empfohlen, der heute neu erschienen ist:
Whitepaper Facebook Privatsphaere 05 2010
Ich sehe Facebooks Wende hin zum öffentlichen Netzwerk nicht als strategischen Fehler, schließlich ist das geschlossene Netzwerken nach wie vor möglich. Und möglicherweise werden im Bereich Datenschutz noch Nachbesserungen erfolgen – sowohl was die offene Kommunikation als auch was die Anwenderfreundlichkeit angeht (schließlich ist der Abmelden-Button auch wieder aufgetaucht). Da mache ich mir dann schon eher Sorgen, dass sich unter den Facebook-Profile ähnlich viele Marketingschleudern breit machen wie es bei twitter der Fall ist. Aber was dem einen das Unfollow oder Block, ist dem anderen dann ja schließlich immer noch das Als FreundIn entfernen bzw. Gefällt mir nicht mehr oder die Blockierliste…
Autor Erik Qualman (Socialnomics: How social media transforms the way we live and do business) hat sein Video zur „Social Media Revolution” neu aufgelegt. Für alle Social Media-Skeptiker bereitet er darin beeindruckende Social Media-Fakten und -Statistiken auf. Sehenswert!
[via socialmedia-blog.de]
David Gelernter macht sich in der FAZ Gedanken über den Status quo und die zukünftigen Möglichkeiten und Chancen des E-Books – auch und gerade im Vergleich zum gedruckten Buch. Dabei liegt das gedruckte Buch seiner Meinung nach ganz klar in Sachen Haptik, Ästhetik und „Persönlichkeit” in Führung. Dass das gedruckte Buch dabei auch ein Kommunikationskanal sein kann, ist sicher ein Aspekt, der häufig übersehen wird. Gelernter schreibt dazu:
Aber der wichtigste Vorteil richtiger Bücher besteht darin, dass sie wie Menschen heranwachsen und alt werden. Es ist leicht, ein echtes Buch mit Anmerkungen, Einwänden, Erklärungen oder der Hervorhebung einer zentralen Passage zu versehen. Liest man das Buch dann noch einmal, sind die eigenen Notizen ein Teil von ihm. Unsere Vorstellungen und Anmerkungen ändern sich im Lauf der Zeit, und sie verändern somit auch das Buch. Nach und nach nimmt ein Buch die Persönlichkeit seines Eigentümers an.
Genau dieser kommunikative Aspekt fehlt aber derzeit noch bei den E-Books – obwohl darin sowie in der Anreicherung durch multimediale Inhalte die größte Chance für dieses neue Medium liegt. Gelernter wünscht sich eine Art virtuelles „Logbuch” oder „Buchlog” zu jedem Buch, ob nun gedruckt oder elektronisch: Eine Community, in der die Kommunikation zum Buch gebündelt wird, Zusatzinhalte abrufbar sind und zu der man durch Erwerb des Buches Zugang erhält.
Diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen: Ansätze dazu (wenn auch aus Verlegersicht „wildwüchsig”) findet jeder Interessierte in diversen Buch-Communities wie LovelyBooks. Ein ähnliches Prinzip verfolgt beispielsweise stickybits: Hier wird die digitale Kommunikation über „real world objects” gesammelt. Die technisches Möglichkeiten sind also durchaus schon vorhanden. Fehlen nur noch: Eine sinnvolle Strategie, diese Ansätze weiterzutreiben und zu bündeln, und der Mut, den Weg zu gehen.
Susanne Martin, die auch beim Lovelybooks-Social Web-Event im Münchner Literaturhaus einen spannenden Vortrag zum Umgang mit Social Media in Buchhandlungen gehalten hat, und Silke Buttgereit haben sich Gedanken rund um die Chancen des Mitmachwebs als Marketinginstrument für den stationären Buchhandel gemacht und sie in einer interessanten Präsentation zusammengefasst:
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Heute Abend um 19.00 Uhr bietet O’Reilly einen kostenlosen Live-Webcast zum Thema “What Publishers Need to Know about Digitization”. Der Webcast wird von Liza Daly gehalten, die als Beraterin und Softwareentwicklerin in Verlagen wie Oxford University Press, Columbia University Press und O’Reilly Media Digitalisierungsprojekte begleitet hat. Der Webcast soll einen Überblick liefern und ist für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse geeignet. Hier kann man sich für die Teilnahme anmelden.
[via <elektrolese>]
Der crowdgesourcte Autor
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